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Below is the complete German text (including the original punctuation) from the Illustrierter Filmkurier #159, for Nicholas Kaufmann and Wilhelm Prager's 1925 film, Wege zu Kraft und Schönheit.

Wege zu Kraft und Schönheit
Ein Film über moderne Körperkultur

Wege zu Kraft und Schönheit
Ein Film der Ufa über moderne Körper-Kultur in sechs Teilen
Regie:
WILHELM PRAGER
Manuskript und wissenschaftliche Bearbeitung
Dr. NICHOLAS KAUFMANN
Hergestellt von der Kultur-Abteilung der Universum-Film Aktiengesellschaft
Universum-Film Aktiengesellschaft
Hansa-Film-Verleih
Berlin / Breslau / Düsseldorf / Königsberg / Hamburg / Leipzig / München / Frankfurt a.M.

Wege zu Kraft und Schönheit nennt die Kulturabteilung der UFA ihren jüngsten Film. Seine Schöpfer durften ihm den stolzen Titel geben. Ihr Ziel war, ein in allen Farben schillerndes Bild körpererzieherischer und sportlicher Bestrebungen auf die Leinwand zu zaubern, ausgehend von den gymnastischen Erziehungsgrundsätzen der Griechen und der raffinierten Körperkultur der Römer. — —
Sana mens in sano corpore ist das Leitmotiv dieses Films, das durch eine Fülle von Beispielen lebendig gemacht wird. — Man könnte das Wort auch in dem Sinne deuten und erläutern, daß Durchbildung und Pflege des menschlichen Körpers das Daseinsgefühl steigern, daß körperliche Exerzitien auch auf die Entfaltung des Geistigen in uns bestimmend einwirken. — —
Eine Ahnung von dem Zusammenhang zwischen Seele und Leib möchte dieser Film noch in dem schlichtesten Menschen wachruten — und für sein Gelingen könnte kein stärkerer Beweis erbracht werden, als daß der Anblick des nackten Körpers von Mann und Weib, wie er sich hier auf Grund eines sorgfältig ausgesuchten Materials darbietet, gewiß keine unlauteren Empfindungen, sondern nur Gefühle der Freude und Bewunderung im ästhetischen Sinne auslöst. — Was geschaffen wurde — sollte ein Hymnus sein auf jene Bestrebüngen, die dahin zielen, ebenso den Schönheitssinn zu wecken, wie zur Volksgesundung beizutragen, — man wollte zeigen, mit welchen Energien unsere geschmähte Zeit das Problem der Körperkultur aufgegriffen und entwickelt hat — wieweit sie etwa dem griechischen Schönheitsideal sich zu nähern vermochte.
Die Zucht, die im Altertum geübt wurde, und der Sport unserer Tage in allen seinen Differenziertheiten werden einander gegenübergestellt. — Ein römisches Bad wird mit historischer Treue rekonstruiert: anmutige Sklavinnen ergötzen sich am Ballspiel, bis die stolze Domina erscheint und die Fahrt zu den Thermen angetreten wird. Wir sind Zeugen jener Prozedur, in der wunderbare Frauenkörper vor dem Bade geölt und gesalbt werden. Wir sehen, wie holde Weiblichkeit im Tepidarium, zu deutsch Warmbad, Rückengüsse empfängt, und erkennen, daß schon im alten Rom des Pfarrers Kneipp Wasserkuren gang und gäbe waren. Und weiter geht der Gang ins Frigidarium (Kaltbad), dessen klassischer Wiederaufbau uns in Entzücken versetzt.
Auf eine versunkene Welt wird der Kontrast der Gegenwart gesetzt — eine Planschwiese im Norden Berlins taucht zunächst auf, die nach dem Stift des Meisters Zille schreit.
Wird unmittelbar darauf der verfängliche Title "Familiennacktbad" sichtbar, so bleibt dem Nuditätenschnüffler, der auf eine angreifbare Sensation erpicht ist, die Enttäuschung nicht erspart. Auf Auf der Leinwand sehen wir, wie in der Kinder-Sandburg einer Düne unsere Kleinsten im Urzustande ihren Puppenkindern die Schönheit des modernen Nacktbades offenbaren. Wenn nach diesem unschuldigen Idyll plötzlich Hunderte von nackten Menschen beiderlei Geschlechts erscheinen, die in paradiesischer Ungebundenheit in Licht, Luft, Sonne, Wasser baden, sind wir über den Berg der Prüderien hinweg und empfinden das Schauspiel als etwas durchaus Natürliches und Selbstverständliches.
Es tut nicht meh not, uns saran zu erinnern, daß in den nordischen Ländern un Rußland man sich längst daran gewöhnt hat, gemeinsam zu baden und die Schönheit des Körpers abseits von lüsternen Empfindungen zu respektieren — Dieser Film will zeigen, welche Kräfte am Werke sind, um eine Wiedergeburt des Körpers aus dem Geiste der Antike zu ermöglichen. Und wenn er mit großem Ernst und fast philologischer Akribie seine Aufgabe meistert, so schreckt er innerhalb bestimmter Grenzen auch nicht vor bitterem Hohn und satirischer Kritik zurück. — Er zeigt den Spießer in allen seinen Schattierungen, beim Betrachten antiker Kunstwerke, deren reine Nacktkultur ja auch nicht hinwegzuleugnen ist, — und er führt den armen und geschundenen Menschen vor, der im modernen Maschinen- und Bureau-Betrieb jämmerlich verkümmert, weil er weniger aus Trägheit als infolge seiner ungünstigen Lebensbedingungen keine freie Stunde für körperliche Ertüchtigung aufzubringen vermag.
Im Gegensatz zu einer dahinsiechenden Jugend treten die Repräsentanten eines neuen Geschlechts auf, denen Körperpflege das Dasein bedeutet, die Mittel und Methoden kennen, um sich abzuhärten und widerstandsfähig zu erhalten. Sei es, daß sie sich Licht, Luft und Wasser nutzbar machen, oder durch Marschieren, Gerätturnen, Boxen, Ballwerfen, Rudern ihren Körper stählen und trainieren. Ruderregatten und Faustkämpfe werden auf die Leinwand gebracht, Luft-, Licht-, Schnee- und Seebäder, Skilauf, Tennis und Golfspiel folgen in bunten, wechselnden Bildern.
Die Berühmtheiten der Welt möchte man sagen, werden als Kronzeugen zitiert. Ein glänzendes Sportturnier wickelt sich ab, — die Meister aller Völker führen ihre Künste vor. Es ist beinahe wie in einem internationalen Zirkus, wo die Artisten ihre großen Nummern abziehen und um die Palme des Abends ringen.
Und wenn plötzlich der Zug der Professionals durch den König und Kronprinzen von Norwegen beim Skilauf — durch Lloyd George beim Golfspiel und Mister Balfour beim Tennis unterbrochen wird — wenn Mussolini und Gerhart Hauptmann mit ihren sportlichen Übungen in die Erscheinung treten, so wird durch die bloße Existenz dieser Weltberühmtheiten dem eingeborenen Sensationsbedürfnis des breiten Publikums auf eine höchst anständige Art Rechnung getragen.
Der Film der UFA begnügt sich indessen nicht mit der einzelnen sportlichen Leistung — er spürt den Sytemen nach und läßt ganze Tanzschulen, die für die rhythmische Gymnastik Methoden und Ausdrucksformen gefunden haben, die Resultate ihrer künstlerischen Arbeit zeigen. — Wir sehen unter anderem jene wunderbar gegliederte "Wanderung" aus der Schule der Mary Wigman, mit dem Schwarm der Frauen, der an die berühmt gewordenen Bilder des Schweizer Malers Hodler leise gemahnt. Wir sehen das "Erwachen des Morgens", zwei unvergleichlich schöne "Akt"-Studien aus der Werkstatt der Hamburgerin Hedwig Hagemann, die sich an das System Mensendieck anlehnt.
Und über die Schulen hinaus erneurn wir noch einmal die Bekanntschaft mit den bedeutendsten Tänzerinnen der Gegenwart, die die Gipfel ihrer Kunst erklommen haben. Die Karsavina, die Impekoven, die Hasselqvist, Carolina de la Riva und undere treten auf und zeigen dem staunenden Auge Glanzleistungen des Körpers, zu denen ein menschliches Wesen nur gelangt, wen Fleiß un Genie zusammentreffen. — Was soll man stärker bewundern, die Freiheit und Grazie dieser Bewegungen oder die unvergleichliche Schönheit der weiblichen Körper, in denen Anmut und Wurde ihre letzte Vereinigung finden.
Wird hier die Summe der modernen tänzerischen Kunst gezogen, wie sie sich aus dem Genie und dem Intellekt einzelner führender Persönlichkeiten herausgebildet hat, so geht der Film ebensowenig an den Nationaltänzen vorbei, die im Gemeinschaftsgefühl wurzeln.
Alle Völkerschaften passieren Revue. Afrikanische Stämme, Bewohner der Südsee-Inseln, Spanier, Schweden, Russen, die bayerischen Typen marschieren auf, um kundzutun, daß der Tanz, die rhythmische Bewegung zu den wesentlichen Elementen und Äußerungen der Volksseele gehört.
Eltern und Lehrer sollen im Gegenteil den erzieherischen Wert betonen, den ich für meinen Teil darin erblicke, daß der Jugen ein "memento vivere" zugerufen wird. Sie soll Achtung und Ehrfurcht vor ihrem Körper lernen, dessen Ertüchtigung zugleich die Heiterkeit des Herzens, die Freiheit der Anschauung, die Festigung sittlicher Begriffe, die Steigerung des Lebensgefühls bedingt.
In diesem Sinne und Zusammenhang hat die Kulturabteilung der UFA nicht nur das Schaubedürfnis breiter Massen befriedigt. Sie hat, was wesentlicher ist, mit den saubersten Mitteln diejenigen Ideen propagiert, die, auf eine Erneuerung des Menschengeschlechtes gerichtet, hier im Begriff stehen, sich allerorten durchzusetzen, weil sie in gleichem Maße dem Gefühl und der Notwendigkeit unserer Zeit entsprechen.
So war es ein Griff und zugleich ein Verdienst der Herren Ernst Krieger und Dr. Nicholas Kaufmann — welch letzterer auch für das Manuskript und die wissenschaftliche Bearbeitung zeichnet — ein so bedeutsames Stoffgebiet dem Film zu erschließen.
Das Gelingen des Ganzen danken sie der Hingabe ihrer zahlreichen Mitarbeiter — in erster Linie Wilhelm Prager, der mit seiner Leistung in die vorderste Reihe der Filmregisseure gerückt ist.
Er hat bei der Auswahl der menschlichen Materie eine ungewöhnliche Sicherheit bewiesen und voll Takt das Heikle des Stoffes überwunden, Unterstützt durch Künstler und Gelehrte, sind ihm figürliche, dekorative und landschaftliche Bilder von wirklicher Schönheit geglückt.
Verlag: Alfred Weiner, G.m.b.H., Berlin W.8, Leipziger Straße 39, Fernsprecher: Zentr. 762 u. 10647. Tiefdruck: Deutscher Schriftenverlag, Berlin.
Für den Inhalt verantwortlich: A. Riehmann, Berlin.

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